Dienstag, 20. November 2012

Der seltsame Fund

So, heute mal wieder ein kleine Geschichte, die ich schon vor ein paar Monaten geschrieben habe und die einfach so, aus einer Laune heraus, entstand. Schuld daran war einzig und alleine ein Tagebucheintrag währenddessen sich mir dieser Gedanke an diese beiden alten ... Ach, lest sie doch einfach selbst.

Der seltsame Fund

Satoshi Otomo war ein alter Fischer aus Kahoku, einem kleinen Dorf in der Präfektur Ishikawa. Dort bewohnte er mit seiner Frau Hiruki ein kleines Haus, welches ihnen einen wohligen Unterschlupf bot.
Herr Otomo fuhr trotz seiner 83 Jahre jeden Tag zum Fischen mit seinem kleinen Boot hinaus auf den Kahokugata-See, während sich Frau Otomo, die ganze zwei Jahre jünger war, dem Haus und dem Garten widmete. Jeden Tag aufs Neue, bis eines schönen Tages etwas Ungewöhnliches geschah: Satoshi Otomo hatte etwas sehr Seltsames gefangen und mit nach Hause gebracht: Es war kreisrund, etwa zehn Zentimeter hoch und dreißig Zentimeter im Durchmesser.
Als Herr Otomo das schwarze Ding dann Zuhause auf den Tisch gelegt hatte, wunderte sich auch seine Frau, weil sie sich nicht vorstellen konnte, was so etwas in einem See zu suchen hatte. Sie strich mit der einen Hand über den glatten Gegenstand, bevor sie die Zweite noch zur Hilfe nahm und ihn hochhob. Er war nicht gerade schwer und roch ein wenig nach dem See, aus dem er gekommen war. Auf ein wenig Druck hin bog sich die glatte Scheibe und federte wieder auseinander. Auf der Oberseite war eine kleine Delle zu sehen, die wie eine Kuppel aussah und durch den ein Ring führte. Der war aus Metall, wie die Otomos leicht feststellen konnten, als sie ihn betasteten.
Wie hast du das denn gefischt?“, fragte Hiruki plötzlich mitten in die Stille hinein, welche die beiden alten Menschen umgab.
Na mit der Angel!“ äußerte Satoshi etwas abwesend.
Ich dachte, du wärst mit dem Netz im See fischen gewesen?“ hakte sie nach, während sie durch ihre Brille abwechselnd das merkwürdige Ding und ihren Mann darüber besah.
Aye, das schon und während ich wartete, das sich ein paar Fische darin verfingen, warf ich noch ein wenig die Angel aus.“
Und dabei hast du dann dieses komische Ding da, an Land gezogen?“ gab sie keine Ruhe.
Genau. Aber dann war es auch schon wieder Zeit, das Netz einzuholen und ich ruderte zurück an Land. Und ich habe es extra vor den anderen Dörflern verborgen. Du weißt ja, wie neugierig die immer so sind“, sagte Herr Otomo und dies störte beide schon länger. Schon so lange, wie die beiden keine Kinder zusammen bekommen konnten. Seitdem waren alle im Dorf plötzlich sehr an deren Leben interessiert und fragten fortan dauernd nach. Es wurden Tipps gegeben, selbst wenn man sie in seiner Traurigkeit darüber gar nicht haben wollte. Und als sich Herr und Frau Otomo dagegen zu verwahren begannen, wurde hinter vorgehaltener Hand darüber gemutmaßt, an wem es denn nun liegen könnte. Aber Satoshi und Hiruki verband das so sehr, dass sie eigentlich nichts vermissten. Nur die Neugierde ihrer Nachbarn störte sie.
Damit beließen es Satoshi und Hiruki vorerst und beide gingen ihren gewohnten Beschäftigungen nach, die ja auch getan werden mussten: Er flickte das Netz und sie lagerte die Fische ein, die sie selbst verbrauchen wollten. Die anderen nahm sie aus, damit Satoshi sie noch vor dem Mittagessen auf dem Markt verkaufen konnte.

Als er dann gegen die Mittagszeit wieder aus dem Dorf zurückgekommen war, wusch er sich die Hände und beide setzten sich zu Tisch. Das Mahl, welches Hiruki aus dem Wenigen gezaubert hatte, das sie sich leisten konnten, duftete herrlich. Herr Otomo sah diverse Köstlichkeiten, die keinen großen Aufwand an Zutaten erforderten, aber durch ihre raffinierte Zubereitung jedes Mal wieder sein Herz aufgehen ließen. Und während ihm das Wasser im Munde zusammenlief, angelte er sich voller Vorfreude mit seinen beiden Stäbchen ein Stück gegarten Dorschs. Den wollte er gerade zu seinem Mund führen, als Hiruki das morgendliche Thema wieder aufgriff:
Und nun?“ stellte sie kauend, aber ihren Mund mit der Hand abschirmend, in den Raum.
Was nun?“ erwiderte Satoshi schmatzend.
Was wird denn nun mit dem schwarzen Ding?“ ging die Fragerei weiter, die ihn langsam zu stören begann. Aber er zeigte dies nicht, sondern schob sich ein weiteres Stück Fisch in seinen Mund.
Frau Otomo räusperte sich und selbst jemand, der nicht schon so lange mit ihr zusammenlebte wie ihr Herr Otomo, hätte heraushören können, wie viel Empörung in diesem Räuspern mitschwang. Sie erwartete eine klare Antwort und keine Ausreden.
Stört es dich, dass wir es im Haus haben?“ ging er jetzt deutlich behutsamer vor. „Ich weiß auch eigentlich gar nicht genau, warum ich es mitgenommen und nicht wieder, wie einen zu kleinen Fisch, ins Wasser zurückgeworfen habe.“
Sie sah ihn mit großen Augen an, nahm schlürfend etwas Algensuppe zu sich und nickte dann kurz, bevor sie etwas Reis aß.
Ich bringe es wieder dahin zurück, wo ich es gefunden habe!“ sagte Satoshi entschlossen und dann fragte er sie: „Aber vielleicht möchtest du ja mitkommen?“
Und sie nickte erneut, nun aber energischer und dasselbe Lächeln überzog ihr Gesicht, das er schon immer an ihr geliebt hatte.
Den Rest des Mittagessens nahmen sie schweigend, aber glücklich zu sich.

Nachdem Hiruki den Tisch abgeräumt hatte und Satoshi ihr rasch beim Waschen der Schalen, Schüsseln und Stäbchen zur Hand gegangen war, brachen sie mit dem merkwürdigen Ding auf. Herr Otomo nahm den direkten Weg durch das kleine Wäldchen, das hinter dem Dorf lag und Frau Otomo hatte ihren besonderen Fang in einen Korb gelegt, den sie gegen allzu neugierige Blicke mit einem Tuch abdeckte. So kamen sie auch bei Herr Wasashi und seiner Frau, die als eine der neugierigsten Damen von Kahoku galt, vorbei, ohne dass die beiden etwas sahen. Stattdessen hätten sie durch das ganze Dorf gemusst, in dem ihnen ganz sicher noch mehr neugierige Menschen begegnet wären. Nun lag nur noch ein kurzes Stück durch den Bambuswald vor ihnen und schon hatten sie den Kahokugata-See erreicht. Und dort konnten sie dann mit seinem kleinen Boot in die Mitte des Sees rudern, wo sie das schwarze Ding wieder in den Fluten versenken wollten.

Doch dazu sollte es nicht kommen. Denn als sie um die letzte Kehre bogen, sahen beide, dass sich vor ihnen ein großes Loch im Boden befand. In diesem war inmitten von Unmengen mit Algen besetztem Kies, Tang und vielen toten Fischen eine etwa dreißig Zentimeter große Öffnung zu sehen, die gähnend ins Erdinnere zu führen schien.


Unglaublich, aber wahr ...


©Bernar LeSton in Rüsselsheim, den 3. Juni 2012

Mittwoch, 14. November 2012

Moin, Moin ...

So, ihr Lieben.

Muss mir zuerst mal die verquollenen Augen ausreiben und gleich mal das Büserhemd überstreifen, weil ich so lange meinen Blog vernachlässigt hatte.

Das ergab sich leider so und tut mir auch sehr leid. Doch der Grund dafür ist ein durchaus positiver:

Der Schreibwahnsinn hat mich wieder gepackt. Richtig gepackt und wohl mehr denn je. Ich stecke nämlich in der ganz klar schönsten Zeit des Jahres:

Dem November!

Nicht weil er der Herbstmonat, mit trübem Wetter sowie Nässe und Kälte, schlechthin ist. Sondern weil zu seinem Beginn der Startschuss zum National Novel Writing Month fällt. Dem unglaublichsten Schreibmarathon, an dem ich jemals teilgenommen habe. Wie, den kennt ihr nicht? Na sowas!

Im NaNoWriMo schreiben hundertausende Schreiber weltweit vom 1. bis zum 30. November die Rohfassung ihres ganz persönlichen Romans aus 50 000 Wörtern. Dabei gibt es keinerlei Auflagen, außer den Einschränkungen, die man sich selbst auferlegen möchte. Wie ich, der es sich in diesem Jahr mal in den Kopf gesetzt hat, gleich zwei NaNos schreiben zu wollen, weil sich das einfach mal so aufgedrängt hat:

Ich wollte eine Geschichte am Tag schreiben, die eher hell und fröhlich angehaucht daherkommen soll und eine Geschichte in der Nacht, die natürlich der anderen entgegensteht. Düster und melancholisch. Dabei hatte ich auch bewusst vor, "Tag" (so lautet der Arbeitstitel) vorher durchzuplotten, was mir aber irgendwie nicht gelingen sollte. Das war aber nicht weiter tragisch, weil ich generell eher ein Bauchschreiber bin. So verwundert es euch sicherlich nicht, dass ich "Nacht" (so lautet der andere Arbeitstitel) ohne Plan begann und sich auch ohne Schwierigkeiten durchziehen ließ.

Zu meinem Erstaunen durfte ich allerdings feststellen, dass am Abend des Write-ins (also vom 31. Oktober auf den 1. November, gleich eine Minute und einem Sekündchen nach 23:59 Uhr), sich plötzlich "Tag" (also die falsche Geschichte) das Heft in die Hand nahm und mir klar machte, wer bei uns zuhause eigentlich die Hosen anhat und was soll ich sagen: Sie hatte recht!

Seitdem geht mir "Tag" leicht aus der Hand, während "Nacht" (obwohl diese Art Geschichten eher meine Domäne zu sein scheinen) etwas zäher vorankommt. Das spiegelt sich aber nur minimal in meinen Wordcounts wieder, die ziemlich gleich sind. Es ist eher die Art, wie sich die Worte finden und aus meinem Kopf über die Finger und die Tastatur in den Rechner wandern.

Aber auch wenn sie nicht so leicht zu schreiben ist oder vielleicht gerade deshalb mag ich sie beinahe ein klitzekleines Stückchen mehr. Sie zeigt mir damit unbewusst, an wem ich mehr zu arbeiten habe und das macht das überbordende Gefühl am 31. November 2012, wenn der diesjährige NaNo zuende sein wird, nur um so toller.

Huch, jetzt bin ich etwas euphorisch geworden und das nur wegen eines Schreibwettbewerbs. Aber ach, was soll ich versuchen es mir schönzureden.

Ich bin ein bekennder NaNoist und das ist auch gut so ...

Bernar LeSton


PS.: Und jetzt muss ich aber hurtig weiter, wie das weiße Kaninchen bei Alice im Wunderland ... äh, der Joker in Tim Burtons genialer Batman-Verfilmung: "Wir haben noch soviel zu tun und so wenig Zeit!"

Bis die Tage ...